Safer Spaces

Safer Spaces

In der LGBTQIA+ Community ist dieser Begriff seit den 1960ern ein wichtiges
Werkzeug, er erklärt die Schaffung eigener Räume in einer Gesellschaft, die
systematisch anderes Begehren, andere Lebensarten und andere Ansichten
unterdrückt und unsichtbar macht.

Der Begriff Safe Spaces etablierte sich im Zuge der 2. Frauenbewegung der 70er Jahre und beschrieb
sogenannte Frauenräume, die als politisches Instrument dienten, um sich innerhalb eines von sexueller
Gewalt, sexistischer Objektivierung und männlicher Dominanz befreiten Raum (so die Idee)
auszutauschen und gegenseitig zu empowern. „Im engeren Sinne verstehen wir darunter Orte für
Marginalisierte, in denen sie sich austauschen können, ohne Angst haben zu müssen, dass ihre
Erfahrungen diskreditiert werden.“
 So die Historikerin Lea Horvat in einem im Februar 2021 erschienen TAZ-Artikel über das
queere Wagenkollektiv Mollies. In der LGBTQIA+-Bewegung ist dieser Begriff seit den 1960ern ein wichtiges Werkzeug, er erklärt die Schaffung eigener Räume in einer Gesellschaft, die
systematisch anderes Begehren, andere Lebensarten und andere Ansichten unterdrückt und unsichtbar macht. 
Aktuell wird eher von Safer Spaces als von Safe Spaces geredet: Ausgehend von der Kritik an
sogenannten Frauenräumen, die z.B. nur den Schutz
weißer, sich als weiblich identifizierender Personen
versprachen, wurde dazu aufgerufen, den Begriff
Safe Spaces kritisch und vor allem aber intersektional zu betrachten: Auch wenn ein Raum frei von spezifischer Diskriminierung ist, ist er eben nicht macht- und hierarchielos. Safer Spaces ist der Versuch, einen Raum zu schaffen, in dem Fälle bestimmter
Diskriminierung nicht vorkommen, indem man die durch die entsprechenden Diskriminierung
privilegierten Gruppen ausschließt. Die Formulierung
safer in Abgrenzung zu safe weist daraufhin, dass gerade mehrfach diskriminierte Personen sich nur bedingt sicher fühlen, wenn eine aber nicht alle jeweils privilegierten Personengruppen ausgeschlossen sind. Für queere Solidarität ist der Begriff Safer Spaces notwendiges Werkzeug der Kollektivierung. Die Pandemie sorgt dafür, dass diese Solidarität kaum mehr buchstabiert werden kann, denn auf der einen Seite richten sich sämtliche Coronamaßnahmen entlang der idealen Kernfamilie aus, sodass die Coronaregeln queere Lebensweise unsichtbar machen, und auf der anderen Seite wird in der Räumungspolitik Berlins queer großgeschrieben und zwar als Störfaktor in aktuellen Bauvorhaben. Die Historikerin Lea Horvat verweist darauf, dass queere Safer Spaces von den Coronaschutzmaßnahmen besonders betroffen sind. „Die aktuellen Vorschriften orientieren sich an
einem starren Verständnis von Familie, während Safer Spaces oft eine Art Wahlfamilie beherbergen“, sagt sie. „Während Lockerungen für ein christliches Familienfest als selbstverständlich gelten, werden Safer Spaces in der Krise für überflüssig oder gar egoistisch erklärt“, so Horvat.